Hirschegg (A) Die 41. Vorarlberger Bautage sind eröffnet. Bis zum 14. Jänner diskutieren Vertreter der österreichischen Bauwirtschaft in Hirschegg, Kleinwalsertal, über die aktuelle Situation und über Zukunftsperspektiven der Baubranche. Wenngleich Schuldenprobleme, Sparprogramme und verunsicherte Finanzmärkte die Stimmung (weltweit) drücken, wenngleich abermals mit einem Krisenjahr gerechnet wird, wenngleich Vorarlbergs Baubetriebe insgesamt ein Minus von knapp neun Prozent für das erste Halbjahr 2012 erwarten, zeigt sich Innungsmeister Franz Drexel verhalten optimistisch: „Die Betriebe sind gut aufgestellt und die heimische Branche konsolidiert sich zunehmend. Vorarlbergs Bauwirtschaft hat in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie herausfordernde Zeiten meistern kann. In den kommenden Monaten wollen wir das einmal mehr bestätigen.“
Mit öffentlichen Mittel müsse sparsam umgegangen werden, betont Innungsmeister Drexel: „Doch ein Sparpaket kann durchaus attraktiv gestaltet werden. Mit steuerlichen Rahmenbedingungen sollte privates Kapital in den öffentlichen Hoch- und Tiefbau sowie in die Infrastruktur gelenkt werden. Dasselbe gilt für Förderungen, die für den Bau wichtige und erforderliche Impulse geben können.“ Dabei handle es sich nicht um Subventionen. Vielmehr komme jeder investierte Euro der Öffentlichen Hand in Form regionaler Wertschöpfung, Arbeitsplätzen und Steuergeldern wieder mehrfach zugute. „So haben beispielsweise die 100 Mio. Euro, die in die thermische Sanierung investiert wurden, dem Staat immerhin 360 Mio. Euro eingebracht“, betont Drexel.
Das Land Vorarlberg will 2012 immerhin über 52 Mio. Euro in den Hochbau investieren. Trotzdem erwarten sich die Betriebe für die ersten sechs Monate ein Minus von rund zwölf Prozent. Im Tiefbau, wo nur sehr wenige Bauvorhaben in Sicht sind, rechnet man gar mit einem Rückgang 21 Prozent. Aufgrund der Wirtschaftsaussichten üben sich auch Gewerbe, Industrie und Handel in Zurückhaltung. Dass die Branche trotz allem mit Zuversicht in das neue Jahr startet, liegt vor allem am heimischen Wohnbau, der sich für das erste Halbjahr 2012 ein Plus von zwei bis drei Prozent erwartet. Nicht zuletzt aufgrund der Änderungen im Bereich der Neubauförderung: Unter anderem wurde die Einkommensgrenze geringfügig angehoben, die bisherigen Förderstufen 1 und 2 gestrichen und durch eine Förderstufe „Basis“ ersetzt.
Vortrag: „Warum wir zu viel Stress und zu wenig Zeit haben“
Qualifizierte Fachkräfte und gut eingespielte Teams sind das Um und Auf. Mehr denn je muss rationell und trotzdem qualitativ hochwertig gebaut werden. Aus- und vor allem stetige Weiterbildung spielen dabei eine entscheidende Rolle. Dies alles kann für die Mitarbeiter mitunter eine Belastung darstellen, dessen ist sich auch Innungsmeister Drexel bewusst: „Burn-Out ist keine ‚Managerkrankheit’. Schließlich machen nicht nur Führungskräfte Überstunden oder neigen zum Perfektionismus.“ Jeden kann es treffen – vom Lehrling über den Polier bis hin zum Geschäftsführer.
Bei den Vorarlberger Bautagen wird Franz Josef Köb über diese Problematik referieren und unter anderem Tipps zum Entschleunigen geben. Damit es erst gar nicht so weit kommt, sollte man etwa seinen eigenen Körper wertschätzen und sich immer wieder Zeit für sich selbst nehmen. Ist die Arbeitsbelastung zu hoch, so gilt es, in Absprache mit den Vorgesetzten Auswege zu suchen, um eine nachhaltige und stabile Arbeitsfähigkeit zu gewährleisten. „Hier sind auch die Unternehmen gefordert, immerhin profitieren sie langfristig davon und zwar indem Krankenstände reduziert werden und die Mitarbeiter nicht erschöpft sondern motiviert sind“, so Franz Drexel.
Factbox
41. Vorarlberger Bautage in Hirschegg, Kleinwalsertal (Naturhotel Chesa Valisa) vom 11. bis 14. Jänner 2012
Donnerstag, 12. Jänner: „Warum wir zu viel Stress und zu wenig Zeit haben“
Referent: Dr. Franz Josef Köb
Freitag, 13. Jänner (9.00 – 12.00 Uhr): Diskussion „Die aktuelle Situation sowie Zukunftsperspektiven der heimischen Bauwirtschaft“. Es diskutieren:
o KR BM Ing. Hans-Werner Frömmel, Bundesinnungsmeister der Geschäftsstelle Bau der Wirtschaftskammer Österreich
o Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser
o Vertreter der Vorarlberger Bauinnung
o Zahlreiche Bauunternehmer aus ganz Österreich
Bauinnung und Fachgruppe Immobilien, Wirtschaftskammer Vorarlberg


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