Am letzten Tag der Vorarlberger Bautage 2010 in Schruns/Tschagguns, die heuer bereits zum 39. Mal von der Vorarlberger Bauinnung organisiert wurden, fand die alljährliche Podiumsdiskussion statt.

v.l.n.r.: DI Franz Drexel, Innungsmeister der Vorarlberger Bauinnung, Thomas Peter, Geschäftsführer der Vorarlberger Bauinnung, Landesstatthalter Mag. Markus Wallner, Karlheinz Kopf, Nationalratsabgeordneter und ÖVP-Klubobmann, Mag. Manfred Katzenschlager, Geschäftsführer der Geschäftsstelle Bau der Wirtschaftskammer Österreich, Landesrat Mag. Karlheinz Rüdisser.
Dabei diskutierten Vertreter der Österreichischen Baubranche mit Politikern aus der Landes- sowie Nationalpolitik. Im Mittelpunkt standen die aktuelle Situation sowie die Zukunftsperspektiven der heimischen Bauwirtschaft. Unter den rund 50 Zuhörern fanden sich zahlreiche Größen der Vorarlberger Bauindustrie.
Manfred Katzenschlager, Geschäftsführer der Geschäftsstelle Bau der Wirtschaftskammer Österreich, eröffnete die Diskussionsrunde mit einem Rückblick auf das vergangene Jahr: „2009 war ein schwieriges Jahr für die österreichische Bauwirtschaft. Trotzdem möchte ich betonen, dass die Bauwirtschaft doch ein sehr stabiler Faktor ist und somit die gesamtwirtschaftliche Situation beruhigt hat.“ Man könne sich also auch in schwierigen Zeiten auf die Bauwirtschaft verlassen. Weiters präsentierte Katzenschlager aktuelle Zahlen: So betrug der Bauproduktionswert österreichweit im Zeitraum Jänner bis September des vergangenen Jahres 11,1 Milliarden Euro, was einem Rückgang von 5,2 Prozent entspricht. Stark rückläufig waren unter anderem die Bewilligungszahlen im Bereich der Wohnbauförderung. Katzenschlager dazu: „2009 wurden lediglich rund 35.800 Anträge bewilligt, wobei der Bedarf zwischen 50.000 und 55.000 Einheiten jährlich liegt.“ Die Lehrlingszahl lag 2009 österreichweit bei 3.039, in Vorarlberg waren 243 Lehrlinge beschäftigt. „Schon jetzt haben wir hierzulande hervorragende Bauakademien. Und wir werden auch künftig viel in die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter investieren“, betont Katzenschlager.
Umfassendes Konjunkturprogramm in Vorarlberg
Im Anschluss referierte Landesrat Karlheinz Rüdisser, in der Vorarlberger Landespolitik unter anderem zuständig für Wohnbauförderung, Straßenbau, Raumplanung und Baurecht sowie Gemeindeentwicklung, über Pläne der Landesregierung: „Wir planen derzeit ein Konjunkturprogramm, das folgende Bereiche beinhaltet: Ausbau der Infrastruktur, Forcierung der Althaussanierung, Investitionsanreize durch Wirtschaftsförderung, etwa im Bereich der Kleingewerbeförderung, Förderung des Einsatzes alternativer Energie, insbesondere Biomasse und Nahwärmeversorgungsanlagen.“ Ein weiterer Aspekt des geplanten Konjunkturprogramms ist die sogenannte Tourismusoffensive Vorarlberg. Der Tourismus hängt stark mit der Bauwirtschaft zusammen, wie Rüdisser erklärt: „Förderungen im Bereich der heimischen Tourismusbranche ziehen eine rege Bautätigkeit nach sich.“ Der Tourismus hat trotz Krise nicht schlecht abgeschnitten: So konnte beispielsweise der Vorarlberger Wintertourismus 2009 das zweitbeste Ergebnis seit Beginn der Aufzeichnungen aufweisen.
Landesrat Rüdisser ging ebenso wie Manfred Katzenschlager auf den Bereich Wohnbau ein und erklärte, dass sich in den letzten Jahrzehnten ein deutlicher Strukturwandel abgezeichnet habe: Während 1969 noch 1.455 Eigenheime gebaut wurden, waren es 2009 – also 40 Jahre später – nur mehr 397. Das Niveau der Eigentumswohnungen ist in den vergangenen Jahrzehnten stabil geblieben. Im Bereich des gemeinnützigen Wohnbaus erwarten wir uns künftig eine Steigerung“, so Karlheinz Rüdisser.
Vorarlberger Hochbauvolumen: 51 Millionen Euro
Landesstatthalter Markus Wallner widmete sich dem Hochbau und berichtete über die geplanten Vorhaben des Landes Vorarlberg: „Es war uns wichtig, dass wir auch 2010 das bisherige Hochbauvolumen von über 50 Millionen Euro halten können.“ Dieses Jahr investiert das Land Vorarlberg insgesamt 51 Millionen Euro. Davon entfallen über 34 Millionen Euro auf Modernisierung und Ausbau der Landeskrankenanstalten in Bludenz, Feldkirch und Hohenems. „Der Großteil davon geht wiederum in die Realisierung des Projekts Großküche am Landeskrankenhaus Feldkirch“, sagt Wallner. Weitere Projekte, in die das Land 2010 investiert: Bahnhofsneubauten in Rankweil, Lauterach und Hohenems, die Landessonderschule Mäder, das Landessportzentrum Dornbirn, das Vorarlberger Landesmuseum sowie zahlreiche Schutzbauprojekte im Bereich Wasserbau.
Verringerung des Budgetdefizits
Zum Abschluss ging Karlheinz Kopf, Nationalratsabgeordneter und ÖVP-Klubobmann, auf die allgemeine und bundesweite politische Situation ein. „Die Verringerung des Budgetdefizits, welches bundesweit derzeit bei rund fünf Prozent liegt, wird künftig die größte Herausforderung sein. Und zwar auf allen drei Ebenen: Bund, Land und Gemeinden.“
Im Anschluss daran fand eine rege Diskussion statt. Für Franz Drexel, Innungsmeister der Vorarlberger Bauinnung, stand jedenfalls fest: „Die heimischen Baumeisterbetriebe spüren von den versprochenen Konjunkturpaketen bis heute nichts. Wie wir heute vernehmen konnten, sind sich die österreichische Baubranche und die heimische Politik zumindest darin einig, dass hier etwas unternommen werden muss."



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