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Global vs. Lokal: Der Arbeitsmarkt im Jahr Eins nach der Krise

Autor: Manpower

10.03.10 14:31

Fünf Experten aus Vorarlberg diskutierten heute bei einer Pressekonferenz im Hotel Martinspark in Dornbirn über die aktuelle Arbeitsmarktsituation nach der Krise.

Wolfgang Albinger, Anton Strini, Günter Geuze, Michael Tinkhauser, Erich Pichorner

Erich Pichorner, Geschäftsführer Manpower GmbH,
zu den globalen Trends in der Arbeitswelt:


„Die großen Trends sind Globalisierung und die technologische Revolution. Durch die Krise verschiebt sich das Weltgefüge. China und Indien erholen sich schneller als Europa und Amerika. Sie werden bald mehr Marktmacht und Kapitalkraft haben, als wir uns vorstellen können. Europa muss aufpassen, dass diese Nationen nicht an uns vorbeiziehen, weil sie kraftvollere Visionen haben als wir. Auf den Arbeitsmarkt bezogen müssen wir vieles neu andenken, etwa Arbeitszeit- und Bezahlmodelle.“

Wolfgang Albinger, Area Manager Österreich West, Manpower GmbH,
zur Personallage in der Vorarlberger Wirtschaft:


„Der Beschäftigungsabbau im exportorientierten Vorarlberg hält weiter an. Wenn Unternehmen Mitarbeiter nachfragen, dann für befristete Einsätze, die immer kurzfristiger geplant werden. Die Überlassungszeiträume werden kürzer und enden heute stundengenau, was früher wochengenau war. Dauerstellen werden nur tröpfelnd vergeben, weil die Auftragslage für die Unternehmen nicht abschätzbar ist. Am besten sieht es derzeit im Gesundheitsbereich und in der Nahrungsmittelindustrie aus, am Bau und in der produzierenden und verarbeitenden Industrie, vereinzelt auch in Versand und Lager. Die Anforderungen an die Mitarbeiter steigen oft bis ins Unerfüllbare.“

Anton Strini, Landesgeschäftsführer AMS Vorarlberg,
zum Arbeitsmarkt in Vorarlberg:


„Die Krise ist noch nicht überwunden, positive Auswirkungen der Konjunkturmaßnahmen noch nicht am Arbeitsmarkt eingetroffen. Ein Gradmesser ist die Nachfrage nach Technikern – nicht einmal die sind derzeit gefragt. Die Arbeitslosigkeit steigt weiter, wenn auch nicht so stark wie befürchtet. Gleichzeitig verlangen Unternehmen, dass Arbeitskräfte exakt die gewünschten Voraussetzungen erfüllen. Das AMS hilft bei Qualifikationsanpassungen, wegdiskutieren kann es sie nicht. Die Kompromissbereitschaft muss steigen. Auch wenn Weiterbildung Selbstverantwortung ist, appelliere ich, dass Betriebe ihre Mitarbeiter dabei unterstützen.“

Günter Geuze, Personalleiter, 11er Nahrungsmittel GmbH,
zum Generationenkonflikt: 


„Wir haben drei Generationen im Betrieb. Bei den ganz Jungen sind gute Umgangsformen, ein Abschluss und der Wille zur Arbeit wichtig. Manche Junge haben den Ausgleich zwischen Chillen und Arbeiten noch nicht gefunden. Ihnen fehlen Vorbilder und Eigenverantwortung, letzteres bildet sich unterschiedlich schnell heraus. Bei der „Mitte“ ist die laufende Weiterbildung wichtig. Sie muss heute mehr tun, um einen neuen Job zu bekommen. Menschen über 50/55 Jahre wiederum müssen Rückschritte hinnehmen. Es ist nicht leicht, am Stammtisch zuzugeben, dass man jetzt einen niedrigeren Job hat. Gesundheit spielt auch eine Rolle, man muss auf sich selber schauen. Vorsorge ist Selbstverantwortung.“

Michael Tinkhauser, Lehrlings- und Jugendabteilung, Arbeiterkammer Vorarlberg,
über den demografischen Flaschenhals:


„Es gibt immer weniger Junge. Demnächst beginnt der Kampf der Schulen um die 15-Jährigen. Erstmals gibt es mehr Schüler in weiterführenden Schulen als in der dualen Ausbildung. Typischerweise hat sich an der Wahl des Lehrberufs nichts geändert, es sind immer die gleichen Top 10. Mädchen wollen nach wie vor Verkäuferin, Friseurin oder Büroangestellte werden. Ohne Abschluss kommt man heute nicht mehr unter. Daher gibt es neue Modelle wie Lehre mit Matura oder Berufsreifeprüfung, die Werkzeit GmbH und die integrative Berufsausbildung. Noch nie hat es so viele Wahlmöglichkeiten gegeben. Gleichzeitig fällt die Sicherheit weg.“



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