Strukturerhebung Lebensmitteleinzelhandel - Fördermaßnahmen und Raumplanung zeigen Wirkung
05.02.10 08:44

Von:WKV

Die Fachgruppe des Vorarlberger Lebensmittelhandels erhebt seit 1970 jährlich die Verkaufsflächen von Einzelhandelsgeschäften mit Vollsortiment bzw. seit 1990 auch von Lebensmitteldiscountern. Die heurigen Zahlen zeigen, dass die Lenkungsmaßnahmen in der Raumplanung ebenso wie gezielte Förderungen Wirkung zeigen.

Fachgruppenobmann Franz Josef Gächter

Fachgruppenobmann Franz Josef Gächter

Im Vorarlberger Lebensmitteleinzelhandel (LEH) sind insgesamt rund 3.000 Arbeitnehmer beschäftigt (weitere 2.000 im vorgelagerten Lebensmittelgroßhandel). Zusätzlich finden ca. 350 Einzelhandels-Lehrlinge einen Ausbildungsplatz vor. Als Abnehmer stellen der Vorarlberger  Lebensmittelhandel bzw. dessen Kaufleute, die traditionell viel Wert auf eine bevorzugte Vermarktung heimischer regionaler Produkte legen, die bei weitem wichtigsten Partner für die heimischen Landwirte dar. Diese wichtige Rolle wird auch vom Land Vorarlberg gesehen und entsprechend gefördert. Fachgruppenobmann Franz-Josef Gächter bei der Präsentation der aktuellen Studie: „Neben Investitionsförderungen zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit bestehen seitens des Landes Vorarlberg Betriebskos-tenzuschüsse für Geschäfte, die nicht mehr rentabel zu führen sind. Solche Förderungen sind für betroffene Lebensmittelkaufleute und Gemeinden bzw. deren Einwohner gleichermaßen wichtig und sinnvoll.“
Für eine strukturierte und zielgerichtete Standort-, Betriebstypen- und Flächenentwicklung wird das Raumplanungsgesetz als wichtigstes Lenkungsinstrument gesehen. Dieses wurde 2006 einer Novellierung unterzogen, stellt der Fachgruppenobmann weiter fest: „Nach einem aussagekräftigen Beobachtungszeitraum zeigt sich, dass diese Maßnahme des Landes Vorarlberg die gewünschten Wirkungen zeigt.“

216 Geschäfte, 110.000 m2 Verkaufsfläche
Aktuell bestehen 216 Geschäfte, die auf einer Verkaufsfläche von 109.646 m2 ein klassisches Lebensmittelvollsortiment anbieten.
Seit 1970 ist die Anzahl der Geschäfte von 578 auf 216 gesunken, was einem Rückgang um 62 %  entspricht. Die Verkaufsfläche ist gleichzeitig von 43.000 m2 auf 109.646 m2, also ca. 250 % der damaligen Fläche, gewachsen.
Sehr gravierende Veränderungen sind zwischen 1970 und 1990 erfolgt. Die Verkaufsfläche hat sich verdoppelt, während sich die Anzahl der Geschäfte halbiert hat. Am stärksten betroffen waren Geschäfte bis zu 150 m2.

Stagnation bei Vollsortimentern und Diskontern
Von 2000 bis heute sind Geschäfte bis zu 69 m2 um 35 % rückläufig, Geschäfte mit 70 - 149 m2 um 46 %.  Die Anzahl der Betriebstypen mit 150 - 399 m2 ist um 34 % zurückgegangen; diese Betriebe werden  hauptsächlich von selbständigen Kaufleuten besetzt.
Im gleichen Zeitraum hat der Betriebstyp von 400 - 999 m2, der überwiegend als Filialbetrieb geführt wird, um 30 % zugelegt. Bei Verbrauchermärkten ab 1.000 m2 ergibt sich seit 2000 eine Zunahme um 43,75 %. Seit 2008 ist in der Flächenentwicklung von Vollsortiments- und diskontierenden Betrieben eine Stagnation zu verzeichnen.

Dörfliche Lebensqualität und Nahversorgung
Neben der Veränderung bei den Betriebstypen zeigt sich ein signifikanter Wandel im Versorgungsgrad der einzelnen Regionen. Die Verkaufsflächen haben sich stetig aus kleinen Orten sowie aus Innenstädten zu Ballungszentren bzw. zur Peripherie von Städten hin verlagert.
Zum Stichtag sind insgesamt 9 Gemeinden (Eichenberg, Möggers,  Reuthe, Dünserberg, Fraxern, Röns, Lorüns, Stallehr und St. Anton/Montafon) ohne Lebensmittelgeschäft.

In 45 Gemeinden besteht ein Lebensmittelgeschäft. Bei diesen Geschäften handelt es sich vielfach um moderne und leistungsfähige Märkte.
Eine möglichst lückenlose Nahversorgung mit Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfes ist vor allem für sozial Schwächere sowie Ältere von großer Bedeutung, betont Fachgruppenobmann Gächter bei der Präsentation der Strukturerhebung.
Vor diesem Hintergrund wird seitens der Fachgruppe Lebensmittelhandel begrüßt, wenn mit dem Verein „Dörfliche Lebensqualität und Nahversorgung“ verstärkt politische Verantwortung für das gesellschaftspolitische Thema Nahversorgung durch direkt betroffene Gemeindeverantwortliche übernommen wird.

Zitat Fachgruppenobmann Franz Josef Gächter: „Die in den letzten Jahren eingeleiteten Maßnahmen zeigen Wirkung.“



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