Feldkirch (A) „Die heimische Industrie kommt zunehmend unter Druck. Wir stehen vor einer konjunkturellen Durststrecke. Neue Steuerbelastungen für die Unternehmen und ihre Mitarbeiter wären daher gerade jetzt eindeutig fehl am Platz“, betont Industrie-Spartenobmann DI Christoph Hinteregger aufgrund der vorliegenden Ergebnisse der Konjunkturumfrage für das vierte Quartal 2011.
An der quartalsmäßigen Umfrage der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer und der Industriellenvereinigung haben sich 50 Unternehmen mit insgesamt 22.744 Beschäftigten beteiligt. Der „Geschäftsklima-Index“ der Vorarlberger Industrie - Mittelwert aus der aktuellen Geschäftslage und der Einschätzung der Geschäftslage in sechs Monaten - hat sich gegenüber dem 3. Quartal 2011 mit einem Wert von +6,40% weiter verschlechtert. Im Vergleich dazu lag der Wert im 4. Quartal 2010 noch bei +45,10%. Mathias Burtscher, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Vorarlberg, dazu: „Der Negativtrend seit Ende 2010 schlägt sich in Zahlen deutlich nieder, gleichzeitig sind diese aber noch im positiven Bereich und eine Trendwende ist möglich“.
Aktuell wird die Geschäftslage von 56% befragten Unternehmen als gut, aber bereits von 10% als schlecht bezeichnet. Der Saldowert hat sich damit gegenüber dem 3. Quartal 2011 weiter von +56% auf +46% verschlechtert, befindet sich allerdings noch auf einem (aktuell) sehr guten Niveau. Ähnlich verhält es sich mit den derzeitigen Auslandsaufträgen. Von 56% der befragten Unternehmen wird der Bestand an Auslandsaufträgen als gut und von 10% als schlecht bezeichnet. 48% bewerten den Auftragsbestand insgesamt als gut und ebenso 10% als schlecht. Hier hat sich der Saldo aus „gut“ und „schlecht“ gegenüber dem letzten Quartal von +56% bereits auf +38% reduziert. Die Geschäftslage in sechs Monaten wird wesentlich schlechter eingeschätzt. Nur 3% erwarten eine günstigere Geschäftslage im nächsten halben Jahr, 62% eine etwa gleich bleibende und 36% eine ungünstigere.
Positiv wird die aktuelle Ertragssituation beurteilt: 46% sprechen von einer derzeit guten, 47% von einer durchschnittlichen und 8% von einer schlechten Ertragssituation (Verbesserung des Saldowertes auf +38% gegenüber +27% im 3. Quartal 2011). Vorausblickend auf die nächsten sechs Monate wird die Ertragssituation von 79% als gleich bleibend und nur von 4% als besser erwartet.
Durchwachsen, aber noch relativ stabil, sind die Aussichten hinsichtlich des Beschäftigtenstandes in drei Monaten. 15% der befragten Unternehmen wollen den Personalstand erhöhen, ebenso rechnen 15% mit einem sinkenden Personalstand. Deutlich optimistischer sind die Einschätzungen bei der Produktionstätigkeit und der Auslastung der Produktionskapazität in drei Monaten: 33% der Betriebe rechnen mit einer steigenden Produktionstätigkeit, 14% mit einer abnehmenden. Ähnlich sieht es bei der Auslastung der Produktionskapazität aus: 34% erwarten eine steigende, 15% eine abnehmende Auslastung ihrer Anlagen in den nächsten drei Monaten. Während 16% mit steigenden Verkaufspreisen rechnen, glauben 12% daran, dass sie in den nächsten Monaten fallen werden.
Branchenergebnisse:
Maschinen- und Metallindustrie
Die positive Beurteilung der aktuellen Geschäftslage nimmt leicht ab: 70% der Befragten bezeichnen sie als gut, aber auch 9% als schlecht. Spürbar vorsichtig bis skeptisch ist der Ausblick auf die nächsten sechs Monate: Nur mehr 2% erwarten eine günstigere Geschäftslage, 53% eine gleichbleibende. Dagegen rechnen 45% mit einer Verschlechterung ihrer Geschäftslage in sechs Monaten.
Nahrungs- und Genussmittelindustrie
Von 31% wird die momentane Geschäftslage als gut bewertet, kein Unternehmen bewertet sie aktuell als schlecht. Auffallend ist die Bewertung des Beschäftigtenstandes in drei Monaten. „Über ein Drittel (35%) der befragten Unternehmen der heimischen Nahrungs- und Genussmittelindustrie wollen ihren Personalstand erhöhen, keiner der Betriebe plant einen Abbau von Personal,“ zeigt sich Michael Amann, Geschäftsführer der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer, sehr erfreut. Positiv wird die Entwicklung der Verkaufspreise in drei Monaten beurteilt. 57% rechnen mit steigenden Verkaufspreisen, 9% mit fallenden. Der Saldo hat sich um 51% gegenüber dem Vorquartal auf +57% erhöht.
Textilindustrie
Ähnlich wie im Vorquartal wird die derzeitige Geschäftslage gesehen. 29% der Befragten halten sie für gut, 64% für durchschnittlich und 7% für schlecht. In etwa gleich entwickelt haben sich auch die Auslandsaufträge. 3% sehen diese als gut an, 2% hingehen erachten sie als schlecht, 94% als gleichbleibend bzw. saisonüblich. Düster sind die Aussichten auf die Geschäftslage in sechs Monaten. Kein Unternehmen rechnet mit einer günstigeren Geschäftslage in sechs Monaten und 29% erwarten eine Verschlechterung.
Elektroindustrie
Auch in dieser Branche hat sich die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage gegenüber dem 3. Quartal 2011 ein wenig verschlechtert. 72% halten sie dennoch aktuell für gut, dagegen 25% für schlecht. Der Saldowert hat sich hier von +85% auf +47% deutlich verringert. Ein unterschiedliches Bild liefert die Beurteilung der aktuellen und künftigen Ertragssituation in sechs Monaten. 45% sprechen derzeit von einer guten Ertragssituation und kein Unternehmen von einer schlechten. In sechs Monaten sieht das hingegen anders aus. Während nur mehr 1% der Befragten eine bessere Ertragssituation erwarten, gehen 44% von einer Verschlechterung aus.
Höhere Steuern sind völlig fehl am Platz und nicht notwendig
„Reformen zur langfristigen Finanzierbarkeit bei Verwaltung, Pensionen und Gesundheit müssen endlich eingeleitet werden und substanziell öffentliche Ausgaben von Bund, Ländern und Gemeinden einspart werden, ohne Steuererhöhung oder neue Steuern. Klare Entscheidungen, wie sie auch die Wirtschaft trifft und die Mut und Rückgrat erfordern, sind jetzt notwendig, auch wenn sie unpopulär sind“, fordert Hinteregger von der Politik.
Gleichzeitig muss auch Wachstum mit Investitionen in Zukunftsbereiche wie Bildung, Forschung, Innovation und Energie gefördert werden. Durch das Verschieben oder Unterlassen der notwendigen Reformen, oder durch permanente Diskussionen über neue bzw. höhere Steuern, wird der Wirtschafts- und Arbeitsstandort Österreich zunehmend gefährdet. Dies zeigte sich konkret auch im Verlust des Triple-A-Ratings, wodurch nun die Refinanzierung unserer Staatsschulden verteuert wird. Mit einem Staatsanteil (Steuerleistung aller Bürger und Unternehmen) von 43%(!) des BIP erhält die öffentliche Hand mehr als genug Geld, um ihre Aufgaben zu erledigen. „Dass es auch mit weniger Steuerbelastung geht, ohne unsozial zu sein, zeigen uns Länder wie die Schweiz seit Jahren eindrucksvoll auf“, untermauert Hinteregger seine Forderungen.
„2012 steht der heimischen Wirtschaft ein herausforderndes Jahr bevor. Den Betrieben in dieser Situation zusätzliche Prügel in den Weg zu legen, zeugt nicht gerade von wirtschaftspolitischem Sachverstand mancher Politiker. Statt in einer Endlosschleife die Steuerschraube nach oben zu drehen, müssen jetzt endlich echte Strukturreformen umgesetzt werden. Vorschläge gibt es genug, jetzt muss konsequent gehandelt werden, “ Spartenobmann Hinteregger abschließend.
(*) Der Geschäftsklimaindex ist der Mittelwert aus der aktuellen Geschäftslage und der Einschätzung der Geschäftslage in sechs Monaten.
Zur Umfragemethode: Bei der Konjunkturumfrage werden den Unternehmen – ähnlich wie beim deutschen IFO-Konjunkturklimaindex – drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral, negativ. Aus den Antworten werden die (beschäftigungsgewichteten) Prozentanteile dieser Antwortkategorien errechnet. Unter Vernachlässigung der neutralen Antworten wird aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten der konjunktursensible „Saldo“ gebildet.




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