Innsbruck (A) „Das Jahr 2013 war für das Gewerbe und Handwerk in Tirol kein einfaches, aber dennoch ein zufriedenstellendes. Besonders im Österreich-Vergleich glänzt Tirol mit positiven Ergebnissen!“, freute sich der Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk, Georg Steixner.
Laut Erhebung der KMU-Forschung Austria meldeten 42 Prozent der Betriebe für das Vorjahr Umsatzsteigerungen gegenüber 2012. Bei 39 Prozent der Betriebe blieb der Umsatz gleich, während 19 Prozent der Betriebe Umsatzrückgänge verzeichneten. „Insgesamt ergibt sich daraus eine Erhöhung des nominellen Umsatzes im Tiroler Gewerbe und Handwerk um 2,0 Prozent gegenüber 2012. Die reale Umsatzsteigerung lag bei 1,1 Prozent. Im Vergleich dazu ist die gesamte Wirtschaftsleistung Österreichs, also das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2013 nominell um ebenfalls 2,0 Prozent gestiegen, real hingegen nur um 0,4 Prozent!“, berichtete Walter Bornett, Geschäftsführer der KMU-Forschung Austria. Er betonte auch, dass im Gewerbe und Handwerk trotz verschiedener Kostensteigerungen, wie bei den Löhnen und Gehältern, der Energie etc., die Verkaufspreise im Durchschnitt nur um 0,9 Prozent erhöht werden konnten, während die Verbraucherpreise, bzw. die Inflationsrate um 2,0 Prozent gestiegen sind – das Gewerbe und Handwerk gehörte also keinesfalls zu den Preistreibern.
Die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage durch die Gewerbe- und Handwerksbetriebe in Tirol und die Aussichten für das 2. Quartal des Jahres fallen durchaus positiv aus. Und dies, obwohl diese nach wie vor durch die starke Preiskonkurrenz (60 % der Betriebe), Fachkräfte- und/ bzw. Lehrlingsmangel (33 % bzw. 10 %) sowie fehlendes Risiko- bzw. Eigenkapital (12 %) in ihrer Geschäftstätigkeit stark beeinträchtigt sind.
Für Obmann Georg Steixner ist der steigende Facharbeiter- und Lehrlingsmangel das größte Sorgenkind. Steixner äußerte sich auch zum geplanten Handwerkerbonus: „ Wir sind froh, dass das ‚Kind‘ auf die Welt gekommen ist, jetzt haben wir noch die Sorge, ob es das Gehen lernt! Zehn Millionen Euro für das 2. Halbjahr und 20 Millionen für das Jahr 2015 sind nicht gerade üppig, auch die Abwicklung ist noch nicht ganz klar.“
Ganz besonders positiv sieht die Sparte Gewerbe- und Handwerk die derzeit diskutierte Arbeitszeitflexibilisierung. „Wir müssen nur aufpassen, dass diese nicht mit anderen Forderungen wie einer sechsten Urlaubswoche verknüpft wird, was direkt zu einer Lohnnebenkostensteigerung führen würde und daher abzulehnen ist. Man zahle jetzt schon für zehn Monate Arbeit 14 Gehälter und erfülle damit europaweit bereits die höchsten Standards“, warnt Steixner die politisch Verantwortlichen.
Walter Bornett fehlt in Hinblick auf zukünftige Entwicklungen vor allem eine Art Masterplan: „Betriebe wollen Planungssicherheit! Derzeit werden aber immer nur vorhandene Lücken geschlossen und neue Löcher aufgerissen.“ Persönlich sieht er keinen Anlass zur Euphorie: „Der Tourismus hat einen schwierigen Winter hinter sich, die Konsumenten leiden unter zu wenig Kaufkraft. Zusätzlich reden wir über einen engen Budgetspielraum!“ Konjunkturbelebende Maßnahmen seien daher dringend erforderlich.
Im 1. Quartal 2014 beurteilen…
• 25 % der Betriebe die Geschäftslage mit „gut“,
• 59 % mit „saisonüblich“ und
• 16 % der Betriebe mit „schlecht“.
In Tirol überwiegen per Saldo aber nach wie vor die Betriebe mit guter Geschäftslage um neun Prozentpunkte, während österreichweit per Saldo die Betriebe mit schlechter Geschäftslage um sieben Prozentpunkte überwiegen.
a) In den investitionsgüternahen Branchen ist der durchschnittliche Auftragsbestand im Vergleich zum 1. Quartal des Vorjahres um 2,2 Prozent gestiegen.
Vom Gesamtauftragsbestand entfielen…
• 76 % (-5 %) auf private/gewerbliche Auftraggeber,
14 % (+4 %) auf öffentliche Bauprojekte, die über Generalunternehmer bzw. Bauträger
(Genossenschaften) abgewickelt werden,
• 10 % (+1 %) auf Direktvergaben durch Bund, Länder und Gemeinden.
b) Im konsumnahen Bereich ist die Situation ebenfalls besser als im Vergleichsquartal des Vorjahres:
• 28 % der Betriebe verzeichneten Umsatzsteigerungen gegenüber dem 1. Quartal 2013,
• 54 % keine Veränderung und
• 18 % Umsatzrückgänge.
Zuversicht für das 2. Quartal 2014
Für das 2. Quartal 2014 erwarten…
• 23 % der Betriebe (Vorjahr: 18 %) steigende Auftragseingänge bzw. Umsätze gegenüber dem
2. Quartal des Vorjahres,
• 64 % keine Veränderung (Vorjahr: 70 %) und
• 13 % Rückgänge (Vorjahr: 12 %).
Im Vergleich zum Vorquartal hat der Optimismus damit zugenommen.
Rund die Hälfte der Betriebe will investieren
47 % der Betriebe planen, im Jahr 2014 Investitionen vorzunehmen.
• 22 % rechnen dabei mit höheren Investitionen als 2013,
• 13 % wollen gleich viel investieren wie im Vorjahr und
• 12 % planen Investitionen, allerdings in geringerem Ausmaß als 2013.
Erhöhung des Personalstands zu erwarten
Für den Zeitraum April bis Juni 2014 beabsichtigen…
• 32 % der Betriebe, den Beschäftigtenstand um durchschnittlich 51,5 % zu erhöhen,
• 65 % der Betriebe, den Personalstand konstant zu halten und
• 3 % der Betriebe, die Zahl der Mitarbeiter/innen um durchschnittlich 23,0 % zu verringern.
Im Durchschnitt ergibt sich daraus eine geplante Erhöhung des Beschäftigtenstandes um 18,4 Prozent. Der Personalbedarf liegt damit leicht unter dem Niveau des Vergleichsquartals des Vorjahres.

(v.l.): Sparten-GF Ludwig Kössler, GF KMU-Forschung Austria Walter Bornett und Spartenobmann Georg Steixner gaben einen Ausblick auf das Jahr 2014 im Gewerbe und Handwerk.
(v.l.): Sparten-GF Ludwig Kössler, GF KMU-Forschung Austria Walter Bornett und Spartenobmann Georg Steixner gaben einen Ausblick auf das Jahr 2014 im Gewerbe und Handwerk.
Tiroler Gewerbe- und Handwerk: Optimismus trotz schwieriger Rahmenbedingungen
- 10.04.2014
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- WKT | Wirtschaftskammer Tirol