Vertrauen ist die härteste Währung: Urs Weber, Geschäftsführer Handelskammer CH-Ö-FL über aktuelle Herausforderungen

Vertrauen ist die härteste Währung: Urs Weber, Geschäftsführer Handelskammer CH-Ö-FL über aktuelle Herausforderungen
Urs Weber, Geschäftsführer Handelskammer-Schweiz-Österreich-Liechtenstein

Ein Networker, wie er im Buche steht: Urs Weber, Geschäftsführer und Generalsekretär der Handelskammer-Schweiz-Österreich-Liechtenstein, verbindet Menschen, Betriebe und Länder. Weil es wichtig ist, den jeweiligen Wirtschaftsstandort zu erhalten und auszubauen, von den Stärken und Schwächen der anderen zu lernen, bestehende Möglichkeiten zu nutzen und neue zu eröffnen. Die Handelskammer-Schweiz-Österreich-Liechtenstein bietet dabei umfassende Unterstützung.

Wenn ich als Unternehmer Mitglied in der Handelskammer-Schweiz-Österreich-Liechtenstein werde, was sind die größten Benefits, von denen ich profitiere?
Das ist an erster Stelle das Networking. Die Handelskammer Schweiz-Österreich-Liechtenstein existiert seit mittlerweile 101 Jahren – ich bin der fünfte Geschäftsführer und Generalsekretär. Wir haben ein umfangreiches persönliches Netzwerk und wenn wir eine Ansprechperson in der Wirtschaft nicht kennen sollten, dann haben wir garantiert jemanden in unserem Netzwerk, der diese kennt und den Kontakt herstellen kann.

Wir bringen Menschen ganz unkompliziert im Rahmen unserer Veranstaltungen zusammen. Dabei achten wir darauf, dass die Veranstaltungen in jeder Hinsicht hochwertig sind, dass wir top Speakers einladen und der Event von der ersten Unternehmens-Ebene besucht wird.

Aber auch das Match Making ist ein Weg, Leute zusammen zu bringen. Sie sagen mir, wen Sie kennen lernen bzw. mit wem Sie in welcher Sache reden wollen und ich rufe den-/diejenige an und schließe Sie per E-Mail mit konkretem Anliegen und konkreter Adresse kurz. Allerdings nur, wenn auch Ihre „Zielperson“ Interesse an diesem Austausch hat. Damit ist dies dann auch kein kalter Call, sondern Sie sind sofort direkt persönlich verbunden - und ein grundsätzliches Interesse an einem Gespräch ist auch bei Ihrer „Zielperson“ gegeben.

Wichtig ist uns auch der Aufbau von Vertrauen. Dieses ist die härteste Währung, die es heute gibt. Darum achten wir darauf, wen wir als neues Mitglied aufnehmen und lehnen manche Ansuchen auch ab: das Netzwerk soll gestärkt werden, das Image durch jede Weiterentwicklung zum Vorteil der bestehenden Mitglieder und der Organisation gestärkt werden.

Wie groß ist das Team der HKSÖL?
Das Team besteht aus fünf Leuten, davon sind zwei full-time beim Schweiz Tourismus in Österreich beschäftigt, für den ich ja auch zuständig bin. Wir haben das Glück, viele langjährige MitarbeiterInnen und hinsichtlich des Alters eine große Diversität zu haben: junge Mütter genauso wie Leute im bereits erfahreneren Alter. Damit können wir die unterschiedlichen Zielgruppen, die wir ansprechen, besser verstehen. Wir haben mehr Frauen hier und ich bin der einzige Mann – das genieße ich sehr, da Frauen eine andere Denkweise einbringen.

Direktionsrat und Präsidium umfassen Spitzenleute aus völlig unterschiedlichen Branchen, von Industrie über Lebensmittel, Finanzdienstleistungen bis Zahnersatz etc. Auch das die große Vielfalt an Wissen und Meinungen. Auch von den Mitgliedern her ist die HKSÖL übrigens stark durchmischt – vom Juwelier über Schokolade-Hersteller bis zur Reisebranche und Versicherungen.

Welche wesentlichen Unterschiede in der Mentalität der Österreicher, Schweizer und Liechtensteiner machen sich aus Ihrer Sicht bemerkbar?
Karl Kraus hat gesagt: „Das einzige, das uns trennt, ist die gemeinsame Sprache“. So ist es wohl tatsächlich. Der größte Unterschied, den ich in meiner Tätigkeit erlebe, ist die Verbindlichkeit. Angenommen, man begegnet jemandem auf einer Cocktail-Party und sagt, man wird einander wieder treffen. In Österreich ist das eine Möglichkeit, in der Schweiz hat man schon den Kalender gezückt. Das gilt auch für die Menschen in Liechtenstein und Vorarlberg, denn die Vorarlberger haben ja eine ähnliche Mentalität wie die Schweizer.

Ein weiterer Unterschied ist, dass man sich in der Schweiz straffer an Regeln hält. Das soll nicht als gut oder schlecht bewertet werden. Aber im Gegensatz dazu „wurschtelt“ man in Österreich oft. Daraus resultiert die Stärke Österreichs in Zentral-Osteuropa, wohin 5% der Schweizer und über 20% der österreichischen Exporte gehen. Diese Kompetenz kann die Schweiz nutzen, um einen neuen Markt zu erobern.

Umgekehrt ist das Vertrauen in die Schweiz groß, dass nicht infolge einer roten oder grünen Regierung Vermögen stark besteuert wird. Die Stabilität ist einer der wichtigsten Faktoren, mit denen die Schweiz punktet.

Wie lauten Ihre aktuellen Forderungen in den drei Ländern gegenüber der Politik?
In Österreich ist das die Verbesserung bei den Steuern, insbesondere bei der Lohnsteuer. In der Schweiz und in Liechtenstein ist man besser aufgestellt hinsichtlich der Sicherung des Pensionssystems. Wir wünschen uns eine langfristigere Migrationspolitik, damit die Leute, die zu uns kommen, zielgerichteter eingesetzt werden. Eine Anpassung der Rot-Weiß-Rot-Karte wäre wichtig. Die Schweiz braucht eine schlüssigere EU-Politik, weil der Außenhandel mit der EU mehr als die Hälfte der Exporte ausmacht. Hinsichtlich Marktzugängen, Dienstleistungen, Zoll braucht es grenzüberschreitende Leistungen. Den Weg, den Liechtenstein als EWR-Mitglied gefunden hat, finde ich sehr gut.

Bitte um Ihre Einschätzung: Wie wird sich die Zusammenarbeit der drei Länder im nächsten Jahrzehnt verändern und was ergibt sich daraus für die HKSÖL?
Ich hoffe, dass es einen noch intensiveren Austausch zwischen den Ländern geben wird, insbesondere hinsichtlich Forschung und Entwicklung. So ist es wünschenswert, dass junge Start-ups von Universitäten stärker vorankommen. Auch Zugänge zum Kapital sollten für Start-ups besser funktionieren.

Weiters sollte die grenzüberschreitende Zusammenarbeit weiter ausgebaut werden. Wesentlich ist, dass man nach oben benchmarked und schaut, in welchen Bereichen die anderen erfolgreicher sind und gute Ideen kopiert und verbessert.

Bestimmend wird, dass es keine größere Gefahr sozialen Unfriedens gibt, sprich dass der soziale Zusammenhalt erhalten bleibt. Dieser ist ein großer Standort-Vorteil.

In allen drei Ländern gibt es viele Möglichkeiten – die Vielfalt sollten wir optimal nutzen, von den Stärken der anderen profitieren und von den Schwächen lernen. Uns als Non-Profit-Organisation ist wichtig, unseren Beitrag zu Bildung, Innovation und Unternehmertum zu leisten. Wir wollen die Rahmenbedingungen in den drei Ländern so erhalten, wie sie sind und darüber hinaus Anstöße geben, damit sie noch besser werden. Unsere gute Lebensqualität soll für zukünftige Generationen erhalten bleiben.

 

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