Virtueller TÜV SÜD Impuls: Zukunftspotential von Wasserstoff

Virtueller TÜV SÜD Impuls: Zukunftspotential von Wasserstoff

Jenbach (A) In Kooperation mit dem deutschen H2-Forum veranstaltete TÜV SÜD Österreich einen virtuellen Austausch zu Wasserstoff. Dabei präsentierten Expertinnen und Experten Einblicke und Perspektiven für den konkreten Einsatz des innovativen Energieträgers in Österreich. Im Fokus standen die Österreichische Wasserstoffstrategie, Chancen für mehr Energieunabhängigkeit, Innovationen und Fortschritte aus Forschung und Anwendung sowie sicherheitstechnische Lösungen. Dipl.-Ing. Viktor Metz, Geschäftsführer von TÜV SÜD Österreich, und Moderatorin Dr. Gudrun Ghezzo führten durch das virtuelle Gipfeltreffen mit mehr als 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Die Klimakrise und hohe Abhängigkeit von fossilen Energieträgern erfordern innovative Lösungen, um Treibhausgase zu reduzieren und auch in Zukunft Versorgungssicherheit gewährleisten zu können. Der Einsatz von grünem Wasserstoff in Industrie, Transport, Verkehr und Energieversorgung ist eine wichtige Alternative für den Energiemix der Zukunft. Eine Vielzahl an Bereichen, von Forschung und Entwicklung, Industrie und weiteren Wirtschaftsteilnehmern bis hin zu politischen Akteurinnen und Akteuren arbeiten daher intensiv an Technologien, Anwendungen sowie regulatorischen Lösungen, um den sicheren Einsatz von Wasserstoff zu forcieren.

Zuverlässige gesetzliche Rahmenbedingungen
Grundlegend für wirtschaftliche und industrielle Innovationen sind klare gesetzliche Vorgaben und Förderkriterien. In seinem Vortrag zur Österreichischen Wasserstoffstrategie bot Dr. Jürgen Schneider, Leiter der Sektion VI „Klima und Energie“ im Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie, einen Überblick über aktuelle Entwicklungen und zukünftige Zielsetzungen: „Der Einsatz von erneuerbarem Wasserstoff ist für das Ziel Österreichs, bis 2040 klimaneutral zu sein, von zentraler Bedeutung. Das gilt vor allem für Bereiche, in denen die Elektrifizierung an ihre Grenzen stößt und die anderwärtig kaum zu dekarbonisieren sind. Beispiele sind etwa die chemische Industrie, aber auch Teilbereiche der Mobilität, wie die Luftfahrt. Um das Potenzial von grünem Wasserstoff voll ausschöpfen zu können, muss dessen Produktion als integraler Bestandteil des Energiesystems etabliert werden. Für den Aufbau von internationalen Partnerschaften und der daraus erfolgenden Stärkung des Wirtschafts- und Innovationsstandortes Österreich ist die Schaffung von zukunftsorientierten ökonomischen und regulatorischen Rahmenbedingungen von größter Bedeutung.“

Wasserstoff-Forschung als Innovationsmotor
Forschung und Entwicklung sind wesentlich, um neue Anwendungsbereiche und -möglichkeiten für den Einsatz von grünem Wasserstoff zu erschließen. Seit mehr als 14 Jahren treibt das HyCentA am Standort der TU Graz Innovationen der Wasserstoffwirtschaft voran. Dipl.-Ing. Dr. Thomas Stöhr, Projektleiter beim HyCentA, präsentierte in seinem Impulsvortrag das enorme Potenzial von erneuerbarem Wasserstoff: „Um die Herausforderungen der Energiewende bewältigen zu können, ist neben der Verringerung des generellen Verbrauchs und der Steigerung des Wirkungsgrades von Energiewandlern vor allem der Ausbau von erneuerbaren Energien und Speichern wichtig. Grüner Wasserstoff ist der Schlüssel zur Energiewende und gewährleistet geopolitische Unabhängigkeit sowie die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen. Langfristig weist Wasserstoff das Potenzial auf, 20 bis 30% aller Energieträger zu kompensieren. Um den Einsatz von erneuerbarem Wasserstoff zeitlich vorzuziehen und frühere Marktreife zu erreichen, muss vor allem auf Forschung und Entwicklung gesetzt werden, um Investitionsaufwände längerfristig minimieren zu können. Fortschritte sind beispielsweise im Bereich der Mobilität zu beobachten, wo immer höhere Leistungsdichte auf kleinerem Bauraum erzielt werden kann.“

Wasserstoff in der Industrie – Praxiseinsatz in Stahlproduktion, Energiespeicher und Mobilität

Auch im industriellen Bereich zeigt Wasserstoff hohes Innovationspotenzial, wie Dipl.-Ing. Thomas Bürgler, Forschungsleiter Roheisenerzeugung bei der voestalpine Stahl GmbH, berichtete. „Der Zielzustand einer 100 % erneuerbaren Stromerzeugung im Jahr 2030 produziert in den Monaten von Mai bis August einen Überschuss von circa 10 TWh Strom. In den restlichen Monaten fehlt diese Menge und muss durch fossile Energien und Importe ausgeglichen werden. Hier ist eine chemische Langzeitspeicherung der Überschüsse als Wasserstoff oder synthetisches Methan notwendig. Unter Hydrogen und Carbon Management mit der Kreislaufführung von CO2 versteht man eine Kopplung industrieller Sektoren. Diese Demonstrationsprojekte mit unterschiedlichen Partnern bauen auf dem H2 Future Projekt am voestalpine Standort in Linz auf. Hier steht die größte, sich im Betrieb befindliche PEM-Elektrolyseanlage Österreichs, die seit ihrer Inbetriebnahme 2019 850 Tonnen oder 9 Mio. Kubikmeter grünen Wasserstoff produziert hat und die Grundlagen für eine Transformation zu einer CO2-neutralen Stahlherstellung und eines vollständig erneuerbaren Energiesystems aufzeigt.“

Durch die Fähigkeit zur Energiespeicherung kann Wasserstoff zur Bewältigung saisonaler Schwankungen der österreichischen Energieversorgung eingesetzt werden, wie Dipl.-Ing. Stephan Bauer, Leiter Green Gas Technology bei RAG Austria, betonte: „Energiespeicher sind zur langfristigen Verbesserung der Versorgungslage unbedingt erforderlich. Neben Versorgungssicherheit ist auch die bedarfsgerechte Strukturierung von Erzeugung und Importen grundlegend. Hierfür gibt es unterschiedliche Ansätze, wobei wir derzeit im Rahmen des Projektes Underground Sun Storage 2030 auf die Speicherung von Wasserstoff in Erdgaslagerstätten fokussieren. Bei der saisonalen Energiespeicherlösung ist es uns wichtig, zu demonstrieren, dass technische Machbarkeit gegeben ist und die Technologie auch außerhalb einer reinen Laborumgebung wirtschaftlich sinnvoll funktioniert.“

Auf Innovation und Kooperation fokussiert auch die OMV, wie Dipl.-Ing. Thomas Uitz von der OMV Downstream GmbH ausführte. „Gemeinsam mit unseren Partnern aus Industrie und Wissenschaft arbeiten wir daran, die Wasserstoffmobilität mit Fokus im Schwerlastbereich voranzutreiben und damit die CO2-Emissionen zu reduzieren. Wasserstoff bietet das Potenzial für ähnliche Betankungszeiten und Reichweiten wie die konventionelle Technologie basierend auf Dieselkraftstoff und hat zudem einen vergleichbaren Wirkungsgrad wie batterieelektrische Antriebe mit Schnellladebedarf. Um den Einsatz der Technologie zu fördern, planen wir die weitere Errichtung von Wasserstoff-Tankstellen und realisieren bereits jetzt schon eine Elektrolyseanlage mit einer Kapazität von 10 MW in der Raffinerie Schwechat.“

Klare Vorgaben für Parameter und Definitionen zur Sensibilisierung
Auch für Sicherheitsspezialisten wie TÜV SÜD Österreich geht der verstärkte Einsatz von Wasserstoff mit neuen Chancen und Herausforderungen einher, wie Dipl.-Ing. Dr. Katharina Kocher, Expertin für Wasserstoff und Wasserstofftechnologien im Geschäftsbereich Green Energy & Sustainability bei TÜV SÜD Österreich ausführte. „Für eine klimaneutrale Zukunft hat Wasserstoff als Energiespeicher- und transportmedium enormes Potenzial. Um eine möglichst effiziente Nutzung zu erreichen, soll bestehende Strom- und Gasinfrastruktur genutzt werden. Um Sicherheit entlang der Wertschöpfungskette zu schaffen, ist es essenziell, klare Standards für grünen Wasserstoff zu etablieren und gleichzeitig die vorgegebenen Parameter unabhängig zu überprüfen.

Durch unser weltweites Kompetenznetzwerk und enge Kooperation mit Wissenschaft und Praxis bieten die Expertinnen und Experten von TÜV SÜD Österreich Wasserstoff-Prüfungen mit zuverlässigem Fachwissen und hoher Vertrautheit mit Normen und Regularien“. Dipl.-Ing. Dr. Stephan Nestl-Röschel, Experte für Wasserstoff im Geschäftsbereich Green Energy & Sustainability, ergänzte: „Wasserstoff wird in immer mehr Branchen eingesetzt. Dabei muss durch fachgerechte Prüfungen gewährleistet sein, dass die verwendete Technologie die regulativen Anforderungen erfüllt und für alle Anwenderinnen und Anwender mit höchster Sicherheit funktioniert. Als erfahrener Partner für technische Sicherheit und Zuverlässigkeit engagiert sich TÜV SÜD außerdem bei der Weitergabe von Wissen und Sensibilisierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durch maßgeschneiderte Schulungsprogramme.“

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