Wie lassen sich bei der Baufinanzierung Kosten sparen?

Wie lassen sich bei der Baufinanzierung Kosten sparen?
Die Baufinanzierung ist für die meisten das größte finanzielle Projekt, das sie je in ihrem Leben anfangen. Die wenigsten haben dabei viel Erfahrung, um die besten Konditionen auszuhandeln. Mit ein paar hilfreichen Tipps kann jeder die Zinskosten für seinen Traum senken.

Eine Baufinanzierung ist fast immer eine große finanzielle Verpflichtung. Die Kosten sind über die gesamte Laufzeit gesehen enorm. Mit ein paar einfachen Tricks können Bauherren und Hauskäufer noch etwas am Zinssatz schrauben und damit die Gesamtkosten für die Baufinanzierung reduzieren. Das hängt zum einen mit den finanziellen Möglichkeiten zusammen und zum anderen, damit, was dem Bauherrn wichtig ist. Als Erstes ist dafür notwendig, ein paar Grundbegriffe zu kennen und zu wissen, wie sich bestimmte Bausteine auswirken können. Manchmal muss es gar nicht der niedrigste Zinssatz sein, um am Ende Geld zu sparen.

Was jedoch niemand beeinflussen kann, ist der Leitzins der EZB. Die Europäische Zentralbank legt diesen Zins fest, der sich grundsätzlich auf die aktuellen Bauzinsen auswirkt.

Tipp für einen niedrigen Zinssatz
Beim Thema Zinssatz und Zinsen, verwechseln viele die beiden Begriffe miteinander oder halten sie für ein und dasselbe. Doch ein niedriger Zinssatz ist nicht gleichbedeutend mit eingesparten Zinsen.In einigen Fällen kann ein kleiner Zinsaufschlag bei gleichzeitig langer Zinsfestschreibung dazu führen, dass das Zinsänderungsrisiko sehr gering ist. Am Ende der Finanzierung lassen sich damit Zinsen sparen. Es ist wichtig, diese Wechselwirkungen zu kennen.

Das eigene Budget kennen
Wer bei seiner Baufinanzierung Zinsen sparen will, muss vor allen Dingen sein eigenes Budget kennen. Es ist wichtig, sich im Klaren darüber zu sein, wie viel Haus finanzierbar ist mit den zur Verfügung stehenden Mitteln. Zudem ist es natürlich wichtig nicht zu viel Geld aufzunehmen, um den Traum vom Eigenheim zu verwirklichen. Denn auf eine höheres Darlehen sind am Ende auch mehr Zinsen zu zahlen. Mit einer budgetgerechten Immobilie sieht die Bank, dass der Kunde vernünftig mit seinem Geld haushalten kann. Wenn die Baufinanzierung zu Ihren Bedürfnissen passt, gibt es häufig keinen besseren Zinssatz von der Bank.

Eigenkapital einbringen
Das Verhältnis zwischen Eigenkapital und Darlehenssumme ist sehr wichtig für einen günstigen Zinssatz. Je mehr Eigenkapital ein Bauherr hat, umso weniger Geld muss die Bank finanzieren, um das Vorhaben Eigenheim zu verwirklichen. Dadurch sinkt der Zinssatz und am Ende sinken damit natürlich die Zinskosten.

Bauherren und Hauskäufer sollten mindestens die Kauf- und Baunebenkosten aus eigenen Mitteln finanzieren können. Das sind zwischen zehn und 15 Prozent der gesamten Bau- oder Kaufkosten. Bei einigen Banken gibt es auch eine 100-Prozent-Finanzierung, die vollständig ohne Eigenkapital auskommt. Da die Bank dabei allerdings ein höheres Risiko zu tragen hat, verlangt sie dafür auch einen höheren Zinssatz.

Tipp: Mit Eigenkapital ist dabei nicht nur das Geld gemeint, das auf der Bank liegt. Dabei kann es sich auch um andere Vermögensgegenstände, wie eine bereits vorhandene Immobilie, ein Grundstück, Aktien oder Wertpapiere handeln. Viele Banken erkennen auch die realistisch eingeschätzte Eigenleistung am Bau als Eigenkapital an.

Eigenleistung einbringen, wo immer es geht
Mit Eigenleistung können Bauherren Zinsen sparen. Dazu erledigen sie einige Arbeiten selbst, vor allem beim Ausbau des Hauses, wie Maler- oder Bodenverlegearbeiten. Banken rechnen die Eigenleistung bis zu einer gewissen Höhe als Eigenkapital an. Damit senken Bauherren die Darlehenssumme und damit auch die Zinszahlungen.

Es ist wichtig, sich nicht selbst zu überschätzen bei den Eigenleistungen. Bauherren sollten immer nur solche Arbeiten ausführen, mit denen sie sich auch wirklich auskennen und für die sie qualifiziert sind. Wenn etwas schiefgeht, weil sich der Bauherr überschätzt hat, kann das am Ende sehr teuer werden.

Die richtige Zinsbindung wählen
Ein wichtiger Begriff im Zusammenhang mit der Eigenheimfinanzierung ist die Sollzinsbindung. Mit der Sollzinsbindung sichern sich Bauherren den aktuellen Zinssatz über einen längeren Zeitraum. Das bedeutet: Je länger die Sollzinsbindung ist, umso länger zahlen Bauherren denselben Zinssatz für ihre Baufinanzierung.

Für kürzere Sollzinsbindungen sind die Zinssätze in der Regel niedriger als bei einer längeren Sollzinsbindung. Die kürzestmögliche Frist beträgt fünf Jahre. Die Banken geben auf die kurze Zeit deshalb einen so günstigen Zinssatz, weil sie über diese Zeitspanne noch recht gut das Zinsänderungsrisiko kalkulieren können. Bei einer längeren Zinsbindung zahlen die Kunden einen Zinsaufschlag, weil das Zinsänderungsrisiko größer wird.

Dabei ist zu bedenken, dass eine lange Sollzinsbindung für den Bauherren mehr Planungssicherheit bringt. Denn schon heute ist damit bekannt, welche Zinsen in zehn, 15 oder sogar 20 Jahren zu zahlen sind. Die lange Sollzinsbindung hebelt sozusagen das Zinsänderungsrisiko aus. Das kann über die gesamte Laufzeit helfen, Zinsen zu sparen. Das gilt vor allem dann, wenn der Marktzinssatz über die Laufzeit ansteigt.

Eine hohe Tilgung wählen
Die Lieblingskunden der Banken sind solvent. Am liebsten verkaufen sie solide Finanzierungen. Diese beiden Faktoren senken für die Bank das Zahlungsausfallrisiko. Auch die Höhe der Tilgung ist für die Bank ein Anzeichen, ob die Finanzierung solide oder weniger solide ist. Die Tilgung ist ein Teil der monatlichen Rate, die weder zu hoch noch zu niedrig sein sollte.

Eine niedrige Tilgung hat niedrige Raten zur Folge, aber auch eine lange Laufzeit. Doch je länger ein Kredit läuft, umso mehr Zinsen zahlen Bauherren. Zudem steigt das Risiko, dass etwas Unvorhergesehenes passiert, das einen Zahlungsausfall zur Folge haben kann. Die niedrige Tilgung bringt daher auch einen höheren Zinssatz mit sich, weil die Bank wieder ein höheres Risiko trägt. Wer Zinsen sparen will, vereinbart – gerade in Zeiten sehr niedriger Zinsen – eine Tilgung von mindestens zwei oder besser sogar drei bis vier Prozent.

Die Monatsrate sollte dabei allerdings 35 Prozent des monatlich zur Verfügung stehenden Einkommens nicht übersteigen. Damit ist die Tilgung ausreichend hoch und der Lebensunterhalt ist noch ohne Weiteres bezahlbar.

Sonderleistungen und Extras beachten
Wenn Sonderleistungen oder Extras bei einer Baufinanzierung vereinbart sind, kann das ebenfalls den Zinssatz nach oben treiben. Dazu gehören Sondertilgungen, eine lange bereitstellungszinsfreie Zeit oder ein Tilgungssatzwechsel. Wer den Zinssatz klein halten will, streicht die Extras und verzichtet auf Leistungen die Zusatzkosten verursachen.

Die bereitstellungszinsfreie Zeit
Bauherren brauchen nicht den gesamten Darlehensbetrag auf einmal. Sie zahlen nach Baufortschritt. Kommt es zu Bauverzögerungen, kann das schnell teuer werden, wenn die Zeit, in der keine Bereitstellungszinsen zu zahlen sind, abgelaufen ist. Ist eine lange bereitstellungszinsfreie Zeit vereinbart, entstresst das die Situation für Bauherren. Sie müssen für die Bauverzögerung keine Bereitstellungszinsen zahlen. Das kostet zwar einen geringen Zinsaufschlag, kann jedoch am Ende die Gesamtkosten erheblich senken, weil Bauherren damit insgesamt weniger Zinsen an die Bank zahlen.

Sondertilgung und Wechsel des Tilgungssatzes
Mit verschiedenen Extras lässt sich die Finanzierung etwas flexibler gestalten, weshalb sie trotz zunächst vielleicht höherer Zinsen sinnvoll sind. Mit einer Sondertilgung leisten Darlehdnsnehmer eine Zusatzeinzahlung und reduzieren damit die Darlehenssumme schneller. Das bedeutet, die effektiven Zinszahlungen an die Bank sinken. Mit einem Wechsel des Tilgungssatzes lässt sich die Finanzierung an eine veränderte finanzielle Situation anpassen. Steigt der Tilgungssatz, ist das Darlehen schneller zurückgezahlt, was am Ende ebenfalls zu Einsparungen bei den Zinsen führt.

Förderungen und Zuschüsse nutzen
In Östereich gibt es in Bezug auf Fördermittel für den Hausbau und den Erwerb von Eigenheimen keine einheitliche Lösung. Die Neubauförderung, die seit 2014 in Kraft ist, verändert sich ständig oder wird um verschiedene Punkte ergänzt. Mit welcher Förderung Bauherren rechnen können, sollte in jedem Fall mit der zuständigen Behörde geklärt werden. Die Förderung läuft auf Ebene der Bundesländer.
Den Finanzmarkt nicht aus den Augen verlieren

Nicht nur eigenes Zutun und Verhandlungsgeschick sind dafür ausschlaggebend, dass Bauherren einen niedrigen Zinssatz bekommen. Auch der richtige Zeitpunkt für den Abschluss des Darlehensvertrags ist wichtig. Die Zinssätze sind nicht fest, sie steigen und fallen ständig, auch wenn es vielleicht nur 0,1 Prozentpunkte sind. Bei einer hohen Darlehenssumme und einer langen Laufzeit macht sich das am Ende bemerkbar.

Beratung
Das Thema Zinsen bei einem langfristigen Darlehen ist gar nicht so einfach. Wie beispielsweise an der bereitstellungszinsfreien Zeit zu sehen ist, kann sich ein etwas höherer Zinssatz am Ende dennoch als Zinsersparnis bemerkbar machen. Daher ist es wichtig, dass Bauherren sich umfänglich beraten lassen, wenn sie die beste Baufinanzierung für sich und ihre finanzielle Situation wünschen. Nicht immer ist die billigste Baufinanierung am Ende auch die kostengünstigste.

Vergleichen hilft sparen
Auf dem Markt tummeln sich viele Anbieter von Baufinanierungen. Da ist es gar nicht so einfach den Überblick zu behalten und zu wissen, welcher Anbieter der beste für die eigenen Anforderungen ist. Hier kann ein Vergleich weiterhelfen. Im Internet gibt es die Möglichkeit, viele Anbieter über ein Portal miteinander zu vergleichen und so das beste Angebot unter allen Geldinstituten und Versicherungen zu finden.

Fazit – so geht Zinsensparen
Den besten Zinssatz können Bauherren und Hauskäufer häufig selbst beeinflussen. Am Ende steht dann vielleicht nicht der niedrigste Zinssatz, aber ein kleiner Zinsaufschlag kann über die Laufzeit dennoch geringere Zinszahlungen zur Folge haben. Wer sein Budget kennt, ausreichend Eigenkapital hat und es auch einbringt, wer Eigenleistung erbringt, kann bei den Zinsen kräftig sparen. Auch die Vertragsgestaltung mit der passenden Sollzinsbindung, der richtigen Höhe der Tilgung wirken sich auf die Zinsen aus. Auch Sonderleistungen und Extras machen die Finanzierung nicht nur flexibler, sondern über die Laufzeit gesehen günstiger. Bauherren sollten sich auf jeden Fall über die Fördermöglichkeiten informieren und auch Zuschüsse nutzen, um die Darlehenssumme zu reduzieren. Wer es dann noch schafft, den richtigen Zeitpunkt für die Finanzierung zu finden, weil er die Entwicklungen auf dem Finanzmarkt im Auge hat, kann zudem noch Geld sparen.

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