Zwei Hände, zehn Finger: "Es gibt immer wieder überraschende Erkenntnisse"

Zwei Hände, zehn Finger:

Handschuh-Experte und ESKA-Geschäftsführer Paul Herbert Loos verrät, warum Fingerspitzengefühl in seinem Unternehmen besonders wichtig ist, spricht über die Herausforderung, ein Familienunternehmen mit 110-jähriger Tradition zu leiten und erklärt, wie die Hände auch bei tiefen Temperaturen warm bleiben.

Zwei Hände, zehn Finger: Wo liegt die Herausforderung bei der Herstellung von Handschuhen?
Zunächst sind es zwei Hände, zwei Daumen und acht Finger – und für diese die perfekten Handschuhe zu entwickeln, ist seit 110 Jahren das Ziel von ESKA. Dabei spielen Kreativität und Innovation wichtige Rollen, denn wir arbeiten stets an der Verbesserung unserer Produkte.

ESKA-Handschuhe gelten als besonders hochwertig. Wie erreichen Sie diese hohe Qualität?
Neben der Auswahl der Materialien spielt die Arbeit der Näherinnen und Näher eine entscheidende Rolle. Ein Handschuh kann aus bis zu 130 Teilen bestehen, die exakt verarbeitet und vernäht werden müssen. Es handelt sich dabei um echte Handwerkskunst, die viel Erfahrung und – im wahrsten Sinne des Wortes – Fingerspitzengefühl erfordert. Leider zählt der Ausbildungsberuf „Handschuhmacher“ hierzulande zu den aussterbenden Berufen. Wir lassen deshalb unsere Produkte an unseren ungarischen Standorten herstellen, da es in Österreich immer schwieriger wird, ausgebildetes Personal zu finden.

Sie leiten das Unternehmen, das 1912 von Ihrem Urgroßvater Josef Eska gegründet wurde, in vierter Generation. War es von vornherein klar, dass Sie in den Familienbetrieb einsteigen?
Nein, nach der Matura ging ich erstmal nach Australien, wo ich bei einer großen Firma für Marketing und Vertrieb verantwortlich war. Doch dann erkrankte mein Onkel Kurt Loos und mir wurde es freigestellt, ob ich zurückkommen möchte, um in die Firma einzusteigen.

Seit 1991 sind Sie nun im Unternehmen tätig, seit 2002 dessen Geschäftsführer. Ihre Schwester Regina Loos ist für Entwicklung und Design verantwortlich. Was bedeutet es, einen Familienbetrieb zu leiten?
Das ist natürlich nicht immer einfach, denn auch Emotionen spielen dabei eine Rolle. Wir sind hier in Wels ein kleines Team von rund 30 Mitarbeitern, die Nähe hat Vor- und Nachteile. Wichtig ist für mich, dass es keine hierarchischen Strukturen gibt, sondern Probleme offen diskutiert werden können. Letztendlich liegt die Entscheidungsverantwortung bei mir, aber es geht immer darum, gemeinsam Lösungen zu finden.

Hat ESKA auch die Lösung für kalte Hände gefunden?
Es gibt natürlich viele Materialien, die isolierend wirken, zum Beispiel Lammwolle, Kaschmir oder auch Silber. Doch wer bei tiefen Temperaturen die Handschuhe auszieht, der wird an den Händen frieren, denn die natürliche Feuchtigkeit der Haut wird von der Kälte schnell angegriffen. Ich empfehle deshalb, unter den Sporthandschuhen dünne Seidenhandschuhe zu tragen.

Neben Sport gibt es bei ESKA auch die Bereiche Luxury und Professional. Wo liegen die Schwerpunkte?
Die Luxus-Sparte, in der wir Damen- und Herrenhandschuhe aus edlen Materialien herstellen, ist ein traditioneller Unternehmensbereich, der in den vergangenen Jahren immer kleiner geworden ist. Unser Fokus liegt im Bereich Professional mit unterschiedlichsten Anwendungsgebieten wie Feuerwehr und technische Hilfeleistung, Bundesheer, Polizei, Rettung, Sondereinheiten und andere Hilfsdienste, wo Handschuhe benötigt werden, die Schutz und Sicherheit bieten.

Wie lange dauert die Entwicklung von solchen Handschuhen?
Das sind oft mehrere Jahre, angefangen von der Materialzusammenstellung über die Herstellung des Prototyps und Feldversuchen bis zum fertigen Produkt. Die Arbeit an solchen Projekten zusammen im Team macht großen Spaß und es gibt dabei immer wieder überraschende Erkenntnisse sowie Neues zu lernen.

Ist es das, was Sie motiviert?
Ja, es ist mir wichtig, mit Freude an Dinge heranzugehen und auch tagtäglich dankbar zu sein – für das Leben und auch für die Arbeit.

Das ist bestimmt auch etwas, das Sie Ihren Söhnen vermitteln wollen. Ist denn die fünfte Generation bei ESKA schon am Start?
Ein Teil der Antwort auf diese Frage liegt in unserer Unternehmensphilosophie: Der Tradition verbunden, der Zukunft gewidmet, den Kunden verpflichtet. Natürlich würde ich es mir wünschen, dass ESKA noch viele weitere Jahre als erfolgreiches Familienunternehmen besteht, aber ob das so sein wird, weiß ich noch nicht.


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